Auch bei der dritten Vorstellung der vom Presseverein-Münsterland präsentierten Filmreihe "Perspektivwechsel - Journalismus im Cinema" war der Kinosaal im Cinema & Kurbelkiste Münster nahezu bis auf den letzten Platz besetzt.
50 Jahre nach seiner Premiere hat der Spielfilm über die investigativen Recherchen der Washington Post-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein zur Watergate-Affäre, die 1974 Jahre zum Rücktritt des damaligen US-Präsidenten Nixon führten, nichts von seiner Faszination verloren. Die beiden zunächst in der Washingtoner Lokalredaktion tätigen Journalisten deckten Schritt für Schritt die Verwicklung des Regierungspersonals um Richard Nixon in eine Abhör- und Bestechungsaffäre auf, die das Ziel hatte, den politischen Gegner zu diskreditieren. Angesichts der Entwicklung und der jüngsten Ereignisse in den USA zeigt „Die Unbestechlichen“ (im Original „All the President’s Men“) aktueller denn je, wie wichtig eine starke, unabhängige Presse ist, wenn skrupellose Politiker ihre Macht missbrauchen und „alternative Fakten“ (sprich: Lügen) zur Wahrheit erheben wollen. Und wie hartnäckige Recherchen im Lokalen auch nationale Bedeutung erlangen können.

Nach dem Film lud der Presseverein die Zuschauer:innen zu einer Diskussion, die der stellvertretende Vorsitzende Kai Heddergott moderierte. In einem zuvor aufgezeichneten Gespräch berichtete die amerikanische Germanistin Lauren Brooks aus US-Perspektive, wie Presse- und Meinungsfreiheit in den USA immer mehr unter Druck geraten. Hartmut Vollmari, freier Journalist aus Münster, der für seine investigativen Recherchen u.a. für den WDR mehrfach ausgezeichnet wurde, stellte im anschließenden Live-Gespräch mit Kai Heddergott heraus, unter welchen Herausforderungen, Möglichkeiten und Grenzen investigativer Recherchen im Lokaljournalismus sich in der Praxis darstellt. Hartnäckigkeit, rechtliche Rückversicherung bei Recherche und Aufbereitung der Ergebnisse intensiver Nachforschungen bilden laut Vollmari die wesentliche Grundlage dafür, erwartbaren Widerständen derjenigen zu begegnen, über die berichtet wird. Einig waren sich die amerikanische Wissenschaftlerin Lauren Brooks und der deutsche Fernsehjournalist darin, dass das zunehmende Wegbrechen der Grundlagen lokaler Berichterstattung eine Gefährdung für die Demokratie darstellt. Woodwards und Bernsteins Recherchen erinnern auch ein halbes Jahrhundert nach der Watergate-Affäre daran, wie wichtig es ist, Lokalredaktionen den Rücken zu stärken.



Mit einer Sonntags-Matinee hat der Presseverein Münster-Münsterland am 14. Dezember seine Filmreihe „Perspektivwechsel: Journalismus im Cinema“ fortgesetzt. „Die Fotografin“ von 2024 erzählt die bewegte Geschichte von Lee Miller, deren Bilder vom Geschehen der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs zeitgeschichtliche Bedeutung erlangten und allein aus fotografischer Sicht Meilensteine der Kriegsberichterstattung sind. Die Filmreihe findet in Kooperation mit dem Cinema Münster statt.
Nach der Filmvorführung in einem nahezu ausverkauften Saal moderierte die Vorsitzende des Pressevereins Brigitte Lieb ein Podiumsgespräch mit zwei Experten, an die auch die Zuschauer:innen ihre Fragen richten konnten.
Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen und Historiker, ordnete den Film für die Zuschauer:innen ein: Einige Abläufe wurden zwar der Dramaturgie wegen gerafft, aber dass Lee Miller die Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Dachau dokumentierte, sei unstrittig.
Im Film ist Lee Miller - dargestellt von Kate Winslet - mit ihrem Kollegen David Scherman zu zweit ohne Einbettung in eine Einheit im Kriegsgebiet unterwegs, Köster wies darauf hin, dass „War Correspondants“ zwar üblicherweise mit den sogenannten Signal Corps mitliefen. Scherman war aber für die Zeitschrift LIFE akkreditiert und Miller für die Zeitschrift „Vogue“ – diese im Film gezeigte Sonderstellung hält demnach auch der historischen Betrachtung stand. Allerdings, so Köster, waren die militärischen Meldeketten und logistischen Infrastrukturen auch für die unabhängig wirkenden Kriegsberichterstatter wichtig, denn nur so konnten die Fotos auch zu den Redaktionen in London und in den USA gelangen.
Der zweite Gesprächspartner Daniel Pilar, als Fotograf für die unabhängige Agentur laif u.a für den SPIEGEL, die F.A.Z. und den stern unterwegs , berichtete von seinen Erlebnissen in Afghanistan und in der Ukraine. Auch wenn die Konflikte und einzelne Einsätze sich vor Ort im Detail unterscheiden, so ist doch jeder Auftrag im Umfeld eines Krieges eine psychische Belastung – wie auch im Film „Die Fotografin“ eindrücklich zu sehen war. Wenn Kollegen eine Fahrt in ein Einsatzgebiet ablehnen, so hat Pilar vollstes Verständnis dafür.
Talkrunde nach der Filmvorführung: Daniel Pilar (Freier Fotoraf, Agentur laif), die Vorsitzende des Pressevereins Münster-Münsterland Brigitte Lieb und Prof. Dr. Markus Köster (Leiter LWL-Medienzentrum für Westfalen, v.l.n.r.) im Gespräch
Beide Experten waren sich einig: Kriegsberichterstattung findet für Fotografen stets an der Nahtstelle der Öffentlichkeitsarbeit des Militärs und politischer Vorgaben einerseits und andererseits dem journalistischen Interesse daran statt, die aktuelle Situation so zu zeigen, wie sie ist. Hier gilt es Interessen zu vereinbaren und sich zu arrangieren.
Markus Köster machte deutlich, dass sich in der jüngeren Geschichte gerade unter dem Eindruck der eher liberalen Regeln für Berichterstatter im Vietnamkrieg und der Wirkung der ungeschminkten Kriegsbilder in der gesellschaftlichen Debatte in den USA die Vorgaben verschärft hätten. So wurde für die Einsätze der US-Truppen im Irak das Konzept der „embedded journalists“ entwickelt. David Pilar stellte dar, dass Ähnliches auch für die Bundeswehr in Afghanistan galt: Bei politisch unbedenklicheren Begleiteinsätzen hatten er und seine Kollegen eher freie Hand, dort, wo die Vorgaben aus Berlin bei politisch heiklen Einsätzen eher strikt waren, durften Aufnahmen vom Geschehen nicht veröffentlicht werden.
Weitere Filme der Reihe: „Die Unbestechlichen“ zur Watergate-Recherche und „Die Letzten Reporter“ über Herausforderungen im Lokaljournalismus
Nach dem Jahreswechsel geht es mit der Filmreihe des Pressevereins weiter: Am 19. Januar 2026 ist um 18.00 Uhr im Cinema „Die Unbestechlichen“ aus dem Jahre 1976 zu sehen. Der Spielfilm mit Dustin Hoffman und Robert Redford in den Hauptrollen zeichnet die Recherchen der Washington Post zum Watergate-Skandal bis zum Rücktritt Richard Nixons. Die Germanistik-Dozentin Lauren Brooks sowie der freie Journalist Hartmut Vollmari werden ihre Gedanken zum Film zusammen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Pressevereins, Kai Heddergott, diskutieren.
Am 23. Februar schließt der Dokumentarfilm „Die letzten Reporter“ aus dem Jahre 2020 die Filmreihe ab und legt einen Fokus auf die Herausforderungen für die journalistische Berichterstattung im Lokalen. Jean Boué, der Regisseur des Dokumentarfilms, wird nach der Vorführung Gast auf dem Podium sein, genauso wie die Journalismusforscherin Nina Springer. Moderiert wird die Runde von Philipp Moser, freier Journalist und Mitglied des Pressevereins.
Mitglieder des Pressevereins erhalten kostenlosen Eintritt für die Veranstaltungen, wenn sie sich bis eine Woche vor dem jeweiligen Termin per Mail unter info@presseverein-muenster-muensterland.de anmelden. Weitere Informationen zu den Filmen und zum Ticketverkauf gibt es auf der Website des Cinema Münster: https://www.cinema-muenster.de/
Alle Jahre wieder lädt der Presseverein Münster-Münsterland zum großen Sommerfest – am Samstag, 21. September ist es wieder soweit: Diesmal ist die neue Meranti-Halle im Allwetterzoo Münster unser Ziel. Dazu hat uns die Zoochefin, Dr. Simone Schehka, eingeladen und als Gastgeberin ein ebenso abwechslungsreiches wie auch informatives und unterhaltsames Programm zusammengestellt, um ihr neues Gebäude auf dem Gelände an der Sentruper Str. 315 in 48161 Münster kennenzulernen.
Die Enthüllungen des Recherche-Netzwerks Correctiv zu einem Treffen von Rechtsextremen und AfD-Politikern, bei dem Pläne zur Vertreibung von Millionen Menschen vor allem mit Migrationshintergrund besprochen wurden, hat nunmehr auch einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, wie massiv und systematisch die Demokratie durch diese Kräfte bedroht wird.
Vor diesem Hintergrund hat das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ aus Münster für den 19. Januar 2024 um 18.00 Uhr zu einer Demonstration auf der Stubengasse in der Innenstadt Münsters aufgerufen, die ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und Hetze setzen soll – so wie das als Reaktion auf die Correctiv-Enthüllungen in den vergangenen Tagen in vielen Städten Deutschlands mit zehntausenden Teilnehmenden schon geschehen ist.
Der Vorstand des Pressevereins Münster-Münsterland unterstützt den Aufruf zur Demonstration ausdrücklich, denn Rechtsextreme und auch die AfD bedrohen mit ihren politischen Zielen nicht nur die demokratischen Grundwerte von Gleichheit und Menschlichkeit, sondern in der Konsequenz auch die Pressefreiheit, die eine zentrale Säule unserer Demokratie darstellt und die es zu verteidigen gilt. Schweigen ist keine Option mehr: Je mehr Menschen sich an der Demo in Münster beteiligen und sich zur Demokratie bekennen, umso stärker wird den rechtsextremen Akteuren aufgezeigt, dass ihre Politik bei der großen Mehrheit der Menschen nicht verfängt und dass sie sie ablehnen.
ACHTUNG: Die Anmeldefrist ist bis 29. November verlängert!

Sieben Beiträge sind für den Medienpreis Münsterland 2023 nominiert. Das hat die Jury jetzt in ihrer Sitzung beschlossen. Hinter den Beiträgen stecken Akteure aus dem freien Journalismus, aus Redaktionen und Pressestellen sowie aus dem Social-Media-Bereich. Sie alle haben nun die Chance auf einen der drei Preise, die mit 3000, 2000 und 1000 Euro dotiert sind. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden bei der Preisverleihung am 7. Dezember im Foyer der Sparkasse Münsterland Ost bekanntgegeben.
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